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Warum Schulradio?

So arbeiten wir

Zwei Schülerinnen mit Mikrofon und Kopfhörer führen ein Straßeninterview

Ein Schulradio funktioniert nicht wie ein einzelnes Unterrichtsfach mit festem Stundenplan, sondern wie ein Jahresprojekt mit eigenem Rhythmus. Damit daraus über Monate hinweg tatsächlich regelmäßige Sendungen entstehen – und nicht nur eine einmalige Aktion –, braucht es eine Struktur, die verlässlich ist, aber trotzdem Raum für unterschiedliche Beteiligungsformen lässt.

Unsere Arbeitsweise ist dabei partizipativ: Themen, Formate und Rollen werden gemeinsam im Team entwickelt, nicht von oben vorgegeben. Sie ist methodisch vielseitig, weil nicht jede Aufgabe zu jeder Arbeitsform passt – manches braucht die große Runde, manches die stille Einzelarbeit, manches ein spontanes Experiment.

Sie ist aktivierend, weil alle Beteiligten von Anfang an selbst gestalten statt nur zuzuhören. Sie ist prozess- und ergebnisorientiert zugleich: Der Weg zur Sendung – recherchieren, diskutieren, verwerfen, neu ansetzen – ist genauso wichtig wie die fertige Sendung selbst. Und sie ist integrativ, weil unterschiedliche Vorerfahrungen, Interessen und Zeitbudgets im selben Projekt Platz finden, egal ob jemand einmal im Monat oder jede Woche mitarbeitet.

Der Jahresrhythmus

Über ein Schuljahr hinweg wiederholen sich Bausteine in unterschiedlicher Taktung – wie das in der Praxis aussieht, zeigt sich gut am Beispiel von Sankt Ursula FM, der Radio-AG des Bischöflichen Gymnasiums St. Ursula in Geilenkirchen, die seit 2017 ein eigenes Schulradio betreibt.

AG-Stunden sind das wöchentliche Grundgerüst. Hier trifft sich das Team regelmäßig, meist im Klassenverband oder in festen Kleingruppen von vier bis acht Personen. In diesen Stunden werden neue Mitglieder eingearbeitet, Formate ausprobiert, Technik geübt und laufende Beiträge weiterentwickelt. Die AG-Stunde ist bewusst offen gehalten: mal Werkstattcharakter mit mehreren parallelen Kleingruppen, mal gemeinsames Ausprobieren im Plenum.

Bei Sankt Ursula FM trifft sich die Radio-AG genau in diesem Rhythmus wöchentlich im eigenen Sendestudio der Schule – mit Mitgliedern aus ganz unterschiedlichen Jahrgangsstufen, von der Unterstufe bis zur Oberstufe. In diesen Treffen werden Themen erarbeitet, Interviews vorbereitet und Umfragen sowie Kollegengespräche aufgezeichnet, sodass jede Woche neues Material entsteht, aus dem später Sendungen werden.

Sendeproduktion im Schulstudio: Mikrofonarme, Laptop und Mischpult

Redaktionssitzungen finden meist alle zwei bis drei Wochen statt und bringen das gesamte Team – oder zumindest eine Vertretung aus jeder Rolle – an einen Tisch. Hier werden Themen für die kommenden Sendungen gesammelt und priorisiert, der grobe Sendeablauf geplant und Verantwortlichkeiten verteilt.

Die Redaktionssitzung ist der Ort, an dem aus vielen einzelnen Ideen ein gemeinsamer Plan wird. Bei Sankt Ursula FM entstehen so aus dem wöchentlichen AG-Betrieb heraus konkrete Sendungsthemen, die eng am Schulleben orientiert sind: mal ein Gespräch über Jugendsprache, mal eine Reportage vom Schulfest oder von den Projekttagen, mal ein Interview mit Austauschschüler:innen oder mit neuen Kolleg:innen im Kollegium.

Sendestunden sind der Höhepunkt des Zyklus: die eigentliche Produktion einer fertigen Sendung, die veröffentlicht wird. Davor liegt eine kurze technische und inhaltliche Vorbereitung, danach eine ebenso kurze Auswertung – was lief gut, was sollte beim nächsten Mal anders laufen. Sankt Ursula FM veröffentlicht seine Sendungen LIVE über einen Webstream und On-Demand über die Mediathek des NRW-Bürgerfunk-Senders NRWision.

Entscheidend ist dabei die reale Ausstrahlung: Erst sie schließt den Kreis aus Konzeption, Planung, Produktion, Ausstrahlung und Feedback. So entsteht ein echtes Ziel, auf das die wöchentliche Arbeit zuläuft – kein Übungsmaterial für die Schublade, sondern eine Sendung, die tatsächlich gehört wird und auf die reagiert werden kann.

Für kleine und größere Runden gedacht

Nicht jede Aufgabe braucht das ganze Team. Recherche, Textarbeit oder Technikaufbau funktionieren gut in Zweier- oder Dreiergruppen; die Redaktionssitzung lebt davon, dass möglichst viele Perspektiven zusammenkommen.

Unser Jahresprogramm ist deshalb so gebaut, dass beide Formen selbstverständlich nebeneinander existieren: kleine Arbeitsgruppen für konzentrierte Detailarbeit, große Runden für Planung, Feedback und das gemeinsame Gefühl, an einem Projekt zu arbeiten.

Anschluss an den regulären Unterricht

Schulradio steht nicht neben dem Unterricht, sondern kann ihn sinnvoll ergänzen. Rechercheaufgaben aus der Redaktion lassen sich mit dem Deutsch- oder Politikunterricht verknüpfen, etwa wenn ein Sachtext zur journalistischen Textsorte wird oder eine Kontroverse aus dem Sowi-Unterricht zum Pro-und-Contra-Beitrag.

Interviewtechnik und Gesprächsführung, die im Radioteam eingeübt werden, sind zugleich Kompetenzen, die im Deutschunterricht oder bei Präsentationsprüfungen gefragt sind. Technikwissen aus dem Studio – Signalwege, digitale Werkzeuge, Software – lässt sich an Inhalte aus Informatik oder Physik andocken. Und Projekte wie eine Themenwoche oder ein Wandertag liefern der Reportage-Rolle konkreten Stoff, während die Sendung selbst wiederum Schulleben und Unterricht sichtbar macht.

Lehrkräfte können einzelne Redaktionsaufgaben so gezielt als Unterrichtsprojekt einbinden, ohne dass daraus ein zusätzliches, isoliertes Fach entsteht – Schulradio wird zum Ort, an dem Gelerntes tatsächlich angewendet wird.

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